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Materialien 2018-10-19T10:29:29+00:00

Schmuck mit Naturmaterialien
– Sie haben es in der Hand –

Keramik

Keramik von Kazuri – Frauenpower auf Kisuaheli

Die Kazuri Bead Factory ist aus einer kleinen Schmuck-Manufaktur hervorgegangen – eine Idee der Britin Susan Wood im Jahre 1975. Die Fertigung von Perlen aus Ton hat in Kenia Tradition, und tatsächlich war Woods bunter Schmuck bald auch außerhalb von Kenia gefragt. Immer mehr Frauen stellte Wood ein und gründete 1988 schließlich die Kazuri Bead Factory. Heute verdienen bei Kazuri an die 280 Kenianerinnen ihren Lebensunterhalt. Die wenigen männlichen Mitarbeiter bereiten den Ton vor oder bedienen die Öfen, in denen die Perlen gebrannt werden.

Grundlage des Erfolgs der Kazuri Bead Factory ist der Ton vom Mount Kenya, dem zweithöchsten Bergmassiv Afrikas. Die daraus gefertigten Keramikperlen werden einzeln mit der Hand geformt, geglättet und gebrannt. Danach werden sie bemalt, glasiert und ein weiteres Mal gebrannt, der Grund für die hohe Materialqualität und Haltbarkeit. Wie für reine Handarbeit typisch, gibt es keine zwei gleichen Perlen – und genau das ist ihr besonderer Reiz.

Video: Perlenproduktion in der Kazuri Bead Factory.

Tagua

Tagua – Nüsse aus Nachbars Wald

Die Tagua- oder Steinnuss-Palme wächst auf Plantagen oder wild im tropischen Regenwald von Ecuador, Kolumbien und Peru. Ihre Früchte erntet man, ohne den Baum zu beschädigen. Die zur Weiterverarbeitung bestimmten Nüsse trocknen an der Sonne, bis sie steinhart sind, daher der Name. Sie lassen sich sägen, schnitzen, polieren und färben, sind unempfindlich gegenüber Stoß und Abrieb und kompostierbar.

Die ersten Steinnüsse fanden Anfang des 19. Jahrhunderts ihren Weg nach Europa. Damals war die Tagua als „pflanzliches Elfenbein“ bekannt, denn sie ähnelt in Farbe und Maserung echtem Elfenbein. In Deutschland erreichte die Tagua-Nachfrage, vor allem für die Produktion von Knöpfen, kurz vor dem Zweiten Weltkrieg ihren Höhepunkt.

Die Entwicklung der chemischen Industrie nach dem Krieg bedeutete für die Tagua dann zunächst das Aus. Wiederentdeckt hat sie die Umweltbewegung in den 1970er Jahren. Große Organisationen machen sich für die Tagua als Elfenbeinersatz stark, um die von der Ausrottung bedrohten Elefanten zu retten.*

Heute bietet der Verkauf von Tagua-Nüssen und -Artikeln der lokalen Bevölkerung eine verlässliche Einnahmequelle. Statt den Wald für Viehweiden und Plantagen abzuholzen, werden die noch übrigen Waldstücke mit Tagua-Palmen geschützt. Das trägt zum Erhalt weiterer Regenwaldgebiete bei. Und davon haben wir alle etwas.

*Dazu mehr unter:
How an obscure seed is helping to save the elephant

Horn

Horn – tierisch edel

Schmuck und Gebrauchsgegenstände aus Horn waren Jahrhunderte lang schöne und nützliche Begleiter des Menschen. Dann ersetzten Kunststoffe diesen natürlichen Werkstoff. Horn ist härter und etwas schwerer als Holz. Es ist säurebeständig und farbecht und lässt sich verformen. Und wichtig: Es ist ungiftig, hautneutral und frei von Allergenen. Die Hornperlen, die steinfarben verarbeitet, sind nicht lackiert, gelaugt oder chemisch behandelt. Das Rohmaterial stammt von Büffeln und Rindern, vorwiegend von Zebu- und Watussi-Rindern von Madagaskar.

Die madagassischen Perlenmacher kaufen das Horn auf lokalen Schlachthöfen, wo es ein Abfallprodukt der Fleischerzeugung ist. Die Hornperlen im steinfarben-Schmuck stammen aus der massiven Spitze der Hörner. Die natürliche Farbe der Hörner (und der Perlen) hängt von der Rasse und der Nahrung der Tiere ab. Die meisten Hörner sind schwarz, braunmeliert bis honiggelb und transparent gemasert. Weitere Farbvarianten erreichen die Produzenten durch Hitze, verschiedene Oberflächen durch mechanische Bearbeitung.

Stein

Stein – voller Wert aus der Tiefe

Schmuckstein aus Fairem Handel mit Siegel ist selten: Die Masse der auf dem Weltmarkt gehandelten Steine wird unter problematischen ökologischen und sozialen Bedingungen gewonnen. Bislang gibt es nur wenige Initiativen, die sich für Fairen Handel mit Mineralien und Steinen engagieren. Zu ihnen zählen der gemeinnützige Verein „Fair Trade Minerals & Gems e.V.“ und das Bergbauprojekt „Honduras Opal“.

Aber es gibt auch weniger bedenkliche Schmucksteine auf dem Markt. Dazu gehören zum Beispiel Rheinkiesel aus der Schweiz oder Marmor aus Südtirol. In diesen Ländern sind die Förder- und Arbeitsbedingungen nach westlichen Standards geregelt und streng kontrolliert. Zu den spannendsten Perlen jedoch zählen für mich Kieselsteine. Sie finden wir überall in und an Flüssen, Seen und Meeren, doch deshalb sind sie nicht weniger schön und edel.

Glas

Recyclingglas – Froehlich aus der Asche

Der Rohstoff der Recyclingglas-Perlen sind alte Flaschen, zerbrochene Gläser und anderer Glasmüll. Die Herstellung der Perlen geschieht vor allem in zwei Verfahren:

Die Scherben werden pulverisiert, in Tonformen gefüllt und in einem Lehmofen geschmolzen. Kurz bevor die Masse erkaltet, bohrt der Perlenmacher mit einem Eisenstab das Fädelloch. Die Alternative: Er zerkleinert die Scherben nur. Dann wird das Granulat in Tonformen bei niedrigen Temperaturen mehr „gebacken“ als geschmolzen. Das Ergebnis sind Pulverglas-Perlen, die man noch mit Mineralfarben bemalt. So entstehen Perlen mit hunderten farbenfroher Muster – jede ein handgefertigtes Unikat.

Die Perlenherstellung aus Altglas ist eine alte afrikanische Handwerkstradition. Vor allem die ethnische Gruppe der Krobo in Ghana (Westafrika) übt sie aus, wo Perlenmacher eine eigene Berufsgruppe bilden. Etwas Besonderes sind „End of the day beads“: Sie werden aus Bruchstücken alter Handelsperlen* gefertigt, und zwar bei gerade so hohen Temperaturen, dass die Ränder der Stücke nur aufweichen und sie zu neuen Perlen verschmelzen können.

Video: Perlenproduktion aus Altglas in Ghana.

* Handelsperlen sind ursprünglich aus Böhmen und der Region Venetien stammende Perlen, die europäische Kolonialmächte als „Währung“ zum Kauf von Rohstoffen und Sklaven nutzten.

Silber

Silber – die Schmiedekunst der Karen

Die Karen sind eine Gruppe miteinander verwandter ethnischer Minderheiten, die zu den Bergvölkern Südostasiens zählen. In Myanmar lange von der Militärdiktatur verfolgt, sahen sie sich zur Flucht gezwungen und haben unter anderem im nordwestlichen Hochland von Thailand eine neue Heimat gefunden. Dort sind die Karen eine der größten Minderheiten. Fast alles Lebensnotwendige müssen sie eintauschen oder selbst anbauen. Die Brandrodungen, mit denen sich die Karen neue Ackerflächen schaffen, sind ein großes Problem für das Land.

Deshalb werden die Karen von der thailändischen Regierung zwar geduldet – von der Bevölkerung aber diskriminiert. Die Silberschmiedekunst der Karen ist das Ergebnis eines Hilfsprojekts der thailändischen Königin Sirikit. Sie wollte den Bergvölkern eine alternative Einkommensmöglichkeit erschließen. Das Silber kaufen die Karen in Taiwan ein, wo es von sehr guter Qualität sein soll: Mit über 95 Prozent ist sein Silbergehalt höher als der des in Europa üblichen Sterlingsilbers (eine Legierung mit 92,5 Prozent Silber). Zudem wird dem Karen-Silber ein hoher Anteil an recyceltem Silber nachgesagt.

Schmuck mit Naturmaterialien heißt aber auch z. B. mit Pflanzensamen, Holz und Papier