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Materialien 2018-07-07T09:11:12+00:00

Keramik

Keramik von Kazuri – Frauenpower auf Kisuaheli

Die Kazuri Bead Factory ist aus einer kleinen Manufaktur hervorgegangen, die 1975 von Susan Wood gegründet wurde. Wood unterhielt mit ihrem Mann eine Arztpraxis in Nairobi, Kenia. Dort kam ihr die Idee, Keramikperlen und -schmuck zu fertigen und zu verkaufen. Anfangs beschäftigte Wood nur zwei Frauen, doch bald erkannte sie das enorme wirtschaftliche und soziale Potenzial ihrer Idee: Es war ein guter Weg, alleinstehenden Müttern eine Existenzgrundlage zu geben und ihren Kindern den Schulbesuch zu ermöglichen.

Die Fertigung von Perlen aus Ton hat in Kenia eine lange Tradition, und der bunte Schmuck war bald auch außerhalb von Kenia gefragt. Immer mehr Frauen konnte Wood einstellen, und so wurde 1988 die Kazuri Bead Factory gegründet. Heute verdienen fast 300 Kenianerinnen bei Kazuri ihren Lebensunterhalt. Die wenigen angestellten Männer bereiten den Ton vor oder bedienen die Öfen.

Die Mitarbeiterinnen werden im Perlenhandwerk ausgebildet. Oft unterstützen sie mit ihrem Lohn viele weitere Familienangehörige. Um deren Gesundheitsversorgung kümmert sich Kazuri, zum Beispiel in der firmeneigenen Klinik.

Grundlage des Erfolgs der Marke Kazuri ist der Ton vom Mount-Kenya. Die daraus gefertigten Keramikperlen werden einzeln mit der Hand geformt, geglättet und gebrannt. Nach dem Brennen werden sie bemalt und glasiert und nochmals gebrannt. Neben traditionellen afrikanischen Mustern fließen in die Designs auch Ideen der Mitarbeiterinnen ein. Wie für reine Handarbeit typisch, ist keine Perle wie die andere – und das ist ihr besonderer Reiz.

Video: Perlenproduktion in der Kazuri Bead Factory.

Tagua

Tagua – Nüsse aus Nachbars Wald

Die Tagua- oder Steinnuss-Palme wächst zumeist wild in tropischen Regenwaldgebieten in Ecuador, Kolumbien und Peru. Ihre Früchte werden geerntet, ohne dass der Baum Schaden nimmt. Die zur Weiterverarbeitung bestimmten Nüsse werden an der Sonne getrocknet, bis sie steinhart sind, daher der Name. Sie lassen sich sägen, schnitzen, polieren und färben, sind unempfindlich gegenüber Stoß und Abrieb und kompostierbar.

Die ersten Steinnüsse fanden Anfang des 19. Jahrhunderts ihren Weg nach Europa: als Ballast mit Schiffen, die ohne Fracht aus Amerika zurückkamen. Damals war die Tagua als „pflanzliches Elfenbein“ bekannt, denn sie ähnelt in Farbe und Maserung echtem Elfenbein, war aber billiger und daher ein beliebter Elfenbeinersatz.

In Deutschland erreichte die Tagua-Nachfrage kurz vor dem Zweiten Weltkrieg ihren Höhepunkt, als jährlich rund 3.500 Tonnen importiert wurden, vor allem für die Herstellung von Knöpfen.

Aber auch Schachfiguren, Pfeifenköpfe und Klaviertasten wurden daraus gefertigt. Die Entwicklung der chemischen Industrie nach dem Krieg bedeutete dann erstmal das Aus für die Tagua.

Wiederentdeckt hat sie die Umweltbewegung in den 1970er Jahren. Große Organisationen machten sich für die Tagua als Elfenbeinersatz stark, um die von der Ausrottung bedrohten Elefanten zu retten. Damit stieg ihr kommerzieller Wert wieder an.

Heute bietet der Verkauf von Tagua-Nüssen und -Artikeln der lokalen Bevölkerung eine verlässliche Einnahmequelle. Statt den Wald für Viehweiden und Plantagen abzuholzen, werden die noch übrigen Waldstücke mit Tagua-Palmen geschützt, was zum Erhalt weiterer Regenwaldgebiete beiträgt. Davon haben wir alle etwas.

Horn

Horn – tierisch edel

Schmuck und Gebrauchsgegenstände aus Horn waren viele Jahrhunderte lang schöne und nützliche Begleiter des Menschen. Mit der rasanten Entwicklung der chemischen Industrie nach dem Zweiten Weltkrieg kamen jedoch Kunststoffe auf den Markt, die den natürlichen Werkstoff Horn ersetzten. Heute ist das Handwerk der Hornschnitzer in Europa fast ausgestorben.

Horn ist härter und etwas schwerer als Holz. Es ist säurebeständig und farbecht und lässt sich verformen. Zudem ist es ungiftig, hautneutral und frei von Allergenen. Die Hornperlen, die ich verarbeite, sind nicht lackiert, gelaugt oder chemisch behandelt – Natur pur.

Das Rohmaterial stammt von Büffeln und Rindern, vorwiegend von Zebu- und Watussi-Rindern von Madagaskar.

Die madagassischen Handwerker, die die Perlen fertigen, kaufen das Horn auf dem Schlachthof. Für die Perlenherstellung wird also kein Tier extra getötet, kein Artenschutzgesetz verletzt, kein Raubbau an der Natur betrieben.

Die Hornperlen in meinem Schmuck stammen aus der massiven Spitze der Hörner, sie sind weder aus Pulver gepresst noch anderweitig montiert. Die Bearbeitung von Horn erfordert viel handwerkliches Geschick und Geduld. Die natürliche Farbe der Hörner (und der Perlen) hängt von der Rasse und der Nahrung der Tiere ab. Die meisten Hörner sind schwarz, braunmeliert bis honiggelb und transparent gemasert. Weitere Farbvarianten erreichen die Produzenten durch Hitze, verschiedene Oberflächen durch mechanische Bearbeitung wie Schleifen, Gravieren und Polieren.

Stein

Stein – voller Wert aus der Tiefe

Ein Wort zu „Edelstein“ bzw. „Halbedelstein“: Der Begriff „Halbedelstein“ verliert in Fachkreisen an Bedeutung. Hier unterscheidet man heute nur noch Edelsteine und Schmucksteine. Warum? Die Einteilung in Edel- und Halbedelsteine war willkürlich, da sich die Eigenschaft halbedel schlecht definieren ließ und auch eine Frage des Geschmacks war. Ein gutes Beispiel ist der Diamant, heute ein Edelstein. Im Mittelalter dagegen, als man farbige Steine bevorzugte, besaß er nur geringen Wert.

Schmuckstein aus zertifiziertem Fairen Handel ist selten: Die Masse der auf dem Weltmarkt gehandelten Steine wird unter fragwürdigen Bedingungen gewonnen. Bislang gibt es nur wenige Initiativen, die sich für Fairen Handel mit Mineralien und Steinen engagieren, wie der gemeinnützige Verein „Fair Trade Minerals & Gems e.V.“ und das Bergbauprojekt „Honduras Opal“.

Immerhin bieten Weltladen-Lieferanten wie EL PUENTE, GLOBO und CONTIGO Schmuck und Perlen an, die nachweislich fair gehandelt sind. Sie ergänze ich mit Perlen aus gewöhnlichem Handel. Um deren Anteil jedoch zu reduzieren, halte ich ständig Ausschau nach weiteren Quellen für fair (oder wenigstens ‚fairer‘) gewonnene Steine.

Dazu gehören für mich zum Beispiel Rheinkiesel aus der Schweiz oder Marmor aus Südtirol: keine Fairhandels-Produkte, aber aus sozial unbedenklichen Quellen. In diesen Ländern sind die Förder- und Arbeitsbedingungen nach westlichen Standards geregelt und streng kontrolliert.

Und schließlich: Zu den spannendsten Perlen zählen für mich Kieselsteine, zuhauf in und an Flüssen, Seen und Meeren zu finden, doch deshalb nicht weniger schön und edel.

Glas

Recyclingglas – Froehlich aus der Asche

Der Rohstoff der Recyclingglas-Perlen sind alte Flaschen und Fensterscheiben, zerbrochene Gläser und anderer Glasmüll. Hergestellt werden die Perlen vor allem in zwei Verfahren:

Die Scherben werden pulverisiert, in Tonformen gefüllt und bei ca. 1.000 Grad Celsius in einem Lehmofen geschmolzen. Ihre Gestalt bekommen die Perlen durch Drehen und Wenden mit einem Eisenstab, mit dem, kurz bevor die Masse erkaltet, auch das Fädelloch gebohrt wird. Jede Perle ist ein handgefertigtes Unikat.

Alternativ werden die Scherben nur zerkleinert und das Granulat in Tonformen bei niedrigen Temperaturen mehr „gebacken“ als geschmolzen. Nach dem Erkalten werden diese sogenannten Pulverglas-Perlen mit Mineralfarben bemalt und bei höheren Temperaturen gebrannt. Das Ergebnis sind einzigartige Perlen mit hunderten farbenfroher Muster – ebenfalls reine Handarbeit.

Die Perlenherstellung aus Altglas ist eine alte afrikanische Handwerkstradition. Sie wird vor allem vom Volk der Krobo in Ghana (Westafrika) ausgeübt, wo Perlenmacher eine eigene Berufsgruppe bilden. Früher durften bestimmte Perlen nur im Besitz von Königen sein und waren eine begehrte Handelsware.

Etwas Besonderes sind „End of the day beads“: Sie werden aus Bruchstücken alter Handelsperlen* gefertigt. Das geschieht bei gerade so hohen Temperaturen, dass die Ränder der Stücke aufweichen und sie zu neuen Perlen verschmelzen können. Dadurch ist manchmal noch das Ausgangsmaterial zu erkennen, italienische Chevron- oder Millefiori-Perlen zum Beispiel.

Video: Perlenproduktion aus Altglas in Ghana.

* Handelsperlen sind ursprünglich aus Böhmen und der Region Venetien stammende Perlen, die europäische Kolonialmächte als „Währung“ zum Kauf von Rohstoffen und Sklaven nutzten.

Silber

Silber – die Schmiedekunst der Karen

Die Karen sind eine Gruppe miteinander verwandter ethnischer Minderheiten, die zu den Bergvölkern Südostasiens zählen. In Myanmar lange von der Militärdiktatur verfolgt, sahen sie sich schließlich zur Flucht gezwungen und haben unter anderem im nordwestlichen Hochland Thailands eine neue Heimat gefunden.

In Thailand sind die Karen mit die größte der dort lebenden Minderheiten. Sie sind Weber, Händler, Tagelöhner und Bauern. Fast alles Lebensnotwendige tauschen sie ein oder bauen es selbst an, der Armut und Not gehorchend auch Opium. Diese Tatsache, aber auch die Brandrodungen, mit denen sich die Karen neue Ackerflächen schaffen, sind ein großes Problem für das Land.

So werden die Karen von der thailändischen Regierung zwar geduldet – doch Diskriminierung und Benachteiligung durch die Bevölkerung gehören für sie zum Alltag.

Die Silberschmiedekunst der Karen ist das Ergebnis eines Hilfsprojekts der thailändischen Königin Sirikit. Sie hatte sich zum Ziel gesetzt, Bergvölkern durch entsprechende Ausbildung und Förderung des Handwerks alternative Einkommensmöglichkeiten zu erschließen. Das Silber kaufen die Karen in Taiwan ein, wo es von sehr guter Qualität sein soll: Mit über 95 Prozent ist sein Silbergehalt höher als der des in Europa üblichen Sterlingsilbers (eine Legierung mit 92,5 Prozent Silber). Zudem wird dem Karen-Silber ein hoher Anteil an recyceltem Silber nachgesagt.